Mittwoch, 21. Oktober 2015

Die historische Kaiserin Elisabeth

Warum beschäftigen wir uns heute noch mit Kaiserin Elisabeth?

Zu Lebzeiten war sie gar nicht so beliebt beim Volk, schließlich war sie auch sehr wenig in Wien.
Erst weit nach ihrem Tod wird sie zur Kultfigur und die Filme von Ernst Marischka sind dabei wohl nicht ganz unschuldig.

Will man nun der historischen Elisabeth näher kommen, ohne Kitsch, ist dies nicht so einfach, denn zahlreiche Mythen sind über die Jahre entstanden.

Also fangen wir mal mit ein paar Fakten an.

1.     Name: Elisabeth Amalie Eugenie (Sisi) 
2.     Geburtstag: Sonntag, 24. Dezember 1837
3.     Geburtsort: Palais Biederstein, München 
4.     Eltern: Herzog Max und Ludovika in Bayern
5.     Geschwister: 8
6.     Dynastie: Wittelsbach 
7.     Ehemann: Kaiser Franz Joseph 
8.     Kinder: Sophie, Gisela, Rudolf und Marie Valerie
9.     Gestorben: 10. September 1898 in Genf



Von der Kindheit bis zum Tod 

Sisi wächst unbeschwert im Palais Biederstein in München und im Sommer in Schloss Possenhofen am Starnberger See auf. Sie spielt mit ihren Geschwistern und ihrem Lieblingsvetter Ludwig, dem späteren König Ludwig II. von Bayern. Zu ihrem Vater hat sie ein gutes Verhältnis. Von ihm lernt sie Zither spielen und angeln, er löst bei ihr ihre Reisesehnsucht aus.  

Im Jahr 1853 fährt sie mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Helene nach Bad Ischl, um den 23. Geburtstag des Kaisers von Österreich, Franz Joseph, zu feiern. Er ist der Sohn ihrer Tante Sophie, der Schwester ihrer Mutter. Dort treffen sich Franz Joseph und Elisabeth zum ersten Mal. Von Anfang an entwickelt sich eine Zuneigung.
Auf dem Ball zur Ankündigung der Verlobung mit Helene hält Franz Joseph überraschend um die Hand der 15-jährigen Elisabeth an. Ob Elisabeth in ihn verliebt war, ist schwer zu sagen.

Die Verlobung findet am 18. August 1853 statt. Am 20. April 1854 verlässt Sisi ihre Heimat, um nach Österreich zu fahren. Die Menschen jubeln ihr zu, doch sie ist ängstlich. Am 24. April 1854 heiraten Franz Joseph und Sisi. Mit der Hochzeit wird Sisi zur Kaiserin von Österreich, damals ein mächtiger Staat in Europa. Da sie nicht wie ihre Schwester Helene zur Kaiserin erzogen wurde, hat sie es schwer am Wiener Hof.

Das Leben mit ihrer Schwiegermutter Erzherzogin Sophie wird für Sisi schwierig, denn die Erzherzogin lebt nach dem spanischen Hofzeremoniell und versucht, Elisabeth in das Leben am Hof einzuweisen. Ihr Mann unterstützt seine Mutter, Sisi fühlt sich allein gelassen.

Nach den ersten Ehejahren entfernt sich die Kaiserin von ihrem Mann, ihre Gesundheit verschlechtert sich. Krankheiten wie Schwermut, Blutarmut und nervöser Husten stellen sich ein.

1855 wird ihre erste Tochter geboren und nach der Großmutter, Erzherzogin Sophie, benannt. Das Kind kommt unter Sophies Obhut. Elisabeth leidet darunter, ihr Kind nicht bei sich zu haben. 1856 kommt ein zweites Mädchen, Gisela, zur Welt. Der Hof wird ungeduldig, weil es noch keinen Thronfolger gibt.

Elisabeth fährt mit Franz Joseph nach Ungarn und will ihre Kinder mitnehmen. Sophie ist dagegen, doch Franz Joseph unterstützt seine Frau bei diesem Vorhaben. In Ungarn erkrankt die zweijährige Sophie und stirbt. Die Erzherzogin macht Elisabeth für den Tod verantwortlich.

Im Jahr 1858 wird der langersehnte Thronfolger Rudolf geboren. Auch er wird der Mutter weggenommen. Gisela und Rudolf wachsen so ohne Mutter auf. Elisabeth wird wieder krank und die Ärzte raten ihr, Wien zu verlassen. Sie reist nach Italien, danach nach Madeira, Mallorca, Malta und Korfu. Als sie nach zwei Jahren wiederkehrt, ist sie selbstbewusster. So greift sie ein, als sie wahrnimmt, dass ihr Sohn Rudolf durch die militärischen Erziehungsmethoden des Grafen Leopold Gondrecourt krank geworden ist. Sie stellt dem Kaiser ein Ultimatum.

Elisabeth setzt sich durch, übernimmt die Erziehung von Rudolf. Er bekommt als Erzieher, den Grafen Josef Latour von Thurmburg. Rudolf wird gesund, der neue Erzieher zu seinem „Ersatzvater“.

Zwischen 1860 und 1870 gilt Sisi als eine der schönsten Frau der Welt. Um die Schönheit zu erhalten, macht sie Diäten. Bei einer Größe von 1,74 Metern wiegt sie knapp 50 Kilogramm. Ihr Haar lässt sie mit Brandy und Eiern waschen.

Als Kaiserin will sie sich nicht auf das Repräsentieren reduzieren lassen. Als es um einen politischen Ausgleich mit dem auf mehr Unabhängigkeit drängenden Ungarn geht, greift sie ein. Sie liebt das Land, will es dem Kaiser näher bringen. Die Krönung zur Königin von Ungarn ist der politische Höhepunkt ihres Lebens. 1868 kommt ihre jüngste Tochter auf die Welt, Marie Valerie. Sie wird das Lieblingskind der Kaiserin. Sie übernimmt die Erziehung allein. Sie verweigert sich immer mehr der Öffentlichkeit und unternimmt viele Reisen. In der Residenzstadt Wien ist sie kaum mehr präsent. 
             
Am Tod ihres Sohnes Rudolf am 30. Januar 1889, der sich vermutlich mit seiner Geliebten Mary Vetsera im Jagdschloss Mayerling das Leben nimmt, fühlt sie sich mitschuldig. Elisabeth kleidet sich nur noch schwarz und widmet sich dem Spiritismus. 1889 kapselt sich Elisabeth endgültig von der Welt ab. So geht sie nicht mehr ohne Schirm hinaus. Niemand darf ihr Gesicht sehen. Sie verschenkt all ihre farbigen Kleider. Ihre Todessehnsucht wird stärker.

Am 10. September 1898 wird Elisabeth vom Anarchisten Luigi Lucheni in Genf ermordet, als sie mit ihrer Hofdame ein Schiff auf dem See besteigen will. Sie wird noch von Helfern ins Hotel Beau Rivage gebracht und stirbt dort mit 61 Jahren. Die Kaiserin wird neben ihrem Sohn Rudolf in der Kapuzinergruft beigesetzt. 

Quellen: Thiele, Johannes: Elisabeth das Buch ihres Lebens. 1. Auflage September 1998, Paul List Verlag GmbH & Ko KG: München
Gespräch mit Yvonne Lintner, ehemalig Tourguide im Schloss Schönbrunn und der Wiener Hofburg


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